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Das Mittelalter umfaßt die Zeitperiode in Europa zwischen dem
Zusammenbruch des Römischen Reiches im Westen ca. im 5. Jahrhundert
bis zum 15. Jahrhundert. Die Festlegung eines genauen Datums für den
Beginn und das Ende des Mittelalters ist beliebig. Zu keiner Zeit existierte
ein scharfer Bruch innerhalb der kulturellen Entwicklung. Moderne Gelehrte
unterteilen das Mittelalter in drei Zonen: früh, hoch und spät.
Gegen
Ende des 5. Jahrhunderts erreichten verschiedene Langzeittendenzen ihren
Höhepunkt; darunter trennende wirtschaftliche Verschiebungen, die
Invasion und Niederlassung der Germanen innerhalb der Grenzen des westlichen
Reiches. Diese Bewegungen veränderten Europa. Während der nächsten
300 Jahre blieb Westeuropa im Grunde ein primitives Kulturgebiet, welches
jedoch hier und dort durch die komplexe und kunstvoll gestaltete Kultur
des Römischen Reiches "veredelt" wurde. Durch diese Zeitspanne hindurch
gab es keine wirkliche Regierungen und politische wie wirtschaftliche Entwicklung
rangierte nur auf lokaler Ebene. Regelmäßiger Handel versiegte
fast vollkommen.
Bauern
wurden auf "ihrem" Land seßhaft und gerieten in die Abhängigkeit
ihrer Lehensherren, da diese die Bauern schützten und über Streitigkeiten
richteten. Dieses System nannte man Feudalherrschaft. Lehensverbindungen
entstanden ebenfalls. Im Feudalismus tauschten die Lehensherren Land gegen
militärische oder andere Dienste mit ihren Vasallen.
Die
einzige universelle europäische Institution war die Kirche, doch selbst
hier war die Autoritätszersplitterung gang und gäbe. Die Macht
lag in den Händen der örtlichen Bischöfe. Die wichtigsten
Mitglieder der kirchlichen Gemeinschaft fanden sich in den Klöstern,
die über ganz Europa verstreut lagen.
Kulturelle Aktivitäten bestanden im frühen Mittelalter überwiegend aus der angemessenen und systematischen Anwendung des historischen Wissens. Das Zentrum jeglichen Lernens war die Bibel.
Das frühe Mittelalter ging seinem Ende entgegen, als im 10. Jahrhundert
erneut eine Völkerwanderung und Eroberungszüge über Europa
einbrachen. Die Vikinger kamen aus dem Norden und die Magyaren drangen
aus den asiatischen Steppen ein.
1050
befand sich Europa an der Grenze einer beispiellosen Periode von Entwicklungen.
Stadtleben, Tausch und Handel wurden wiederbelebt. Die Römisch Katholische
Kirche, straff organisiert in einer sorgfältig durchdachten Hierarchie,
wurde zur hochentwickelten Regierungsinstitution Westeuropas. Die Klosterorden
wuchsen und gediehen und wurden vollständig in weltliche Gemeinschaft
einbezogen.
Eine
beispiellose Neubelebung des Intellektuellen setzte ebenfalls ein. Die
ersten Universitäten wurden gegründet und theologische Doktrinen
und Praktiken wurden erforscht. Das 12. Jahrhundert führte den Westen
in ein großes Zeitalter der Philosophie. Erneuerungen entwickelten
sich ebenfalls in den schönen Künsten. Ein Erblühen der
neuen Literatur, der Kunst und der architektonischen Stile erfolgte. Bewundernswert
waren die römische sowie die gothische Kunst und Architektur.
Im 13. Jahrhundert wurden die Errungenschaften des 12. Jahrhunderts festgeschrieben und zusammengefügt. Die Kirche wurde zu DER großen Institution Europas. Tausch und Handel verbanden Europa zu einer wirtschaftlichen Einheit. Das Reisen wurde relativ einfach und üblich.
Mit
dem Beginn des 11. Jahrhunderts wurden die Kreuzzüge ins Leben gerufen,
um die christlichen heiligen Stätte im Mittleren Osten aus den Händen
der Moslems zu befreien.
Das Hochmittelalter gipfelte in großartigen kulturellen Leistungen
in der Philosophie, der Architektur und in der Kunst.
Im
Gegensatz zum Hochmittelalter, welches gekennzeichnet war durch die Leistung
einer institutionellen Einigung und intellektueller Synthese, wurde das
Spätmittelalter durch Konflikte und Auflösung charakterisiert.
Der weltliche Staat begann auf der Weltbühne aufzutauchen und rang
mit der Kirche um Vorherrschaft. Dörfer und Städte strebten
nach politischer Selbstkontrolle. Ein Ergebnis dieses Strebens zeigte sich
in der Verstärkung politischen und sozialen Denkens, gerichtet auf
den weltlichen Staat innerhalb seiner eigenen Rechte.
Das
religiöse Denken im späten Mittelalter spiegelte den sozialen
und kulturellen Aufruhr wieder. Es fand seinen Ausdruck in einer intensiven
Suche nach der göttlichen Erfahrung, sei es durch innere Ekstase der
Mystik oder der persönlichen Überprüfung des Gotteswortes
in der Bibel.
Diese spirituelle Unrast und Erneuerung führte schließlich im 16. Jahrhundert zur Protestantischen Reformation. Auf politischer Ebene führten die neuen nationalen Identitäten zu den modernen Nationalstaaten.
Die
Ausdehnung von Handel und Finanzen verwandelte die europäische Wirtschaft.
Auf diese Weise bildete die Auflösung der mittelalterlichen Ordnung
mit ihrem sozialen und kulturellen Aufruhr die Rahmenbedingungen für
eine moderne europäische Gesellschaft.
Hinweise:
Der obige Text ist meine Übersetzung des englischen Originaltextes.
Sollte ich irgendwelche Fachbegriffe nicht korrekt wiedergegeben haben,
bitte ich um eine entsprechende Nachricht mit den Angaben zu den richtigen
Fachbegriffen. Email bitte an mich
schicken.
Bilderquellen:
Das Stadtbild habe ich selber hergestellt unter Verwendung eines Scans.
Sämtliche Kostümlithografien sind von "The
History of Costume" von Braun & Schneider ca. 1861-1880.
Copyright 1999 für die deutsche Übersetzung by Brigitte Petsch. Nachdruck - auch auszugsweise - nur mit meiner schriftlichen Erlaubnis.