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Die Landwirtschaft im Mittelalter

Bauer mit Pferdepflug

Die Landwirtschaft

Vom 6. bis 11. Jh. arbeiteten fast alle Menschen in der Landwirtschaft; am Ausgang des Mittelalters (um 1500) waren es immer noch über 80%. Ursache dafür war die geringe Produktivität. Sie begrenzte das Nahrungsangebot so sehr, daß nach Mißernten häufig Hungerkatastrophen auftraten. Bevölkerungswachstum und Entwicklung der Landwirtschaft standen also in einem engen Wechselverhältnis.

Seit den Karolingern (8. Jh.) war die Bevölkerungszahl gestiegen. Der Ackerbau (anfangs 3-5% des Bodens) dehnte sich auf Kosten der Viehwirtschaft, wie sie noch die germanischen Völker vorwiegend betrieben hatten, aus. Die Produktion war im wesentlichen auf die eigene Versorgung und die der Herren ausgerichtet (Subsistenzwirtschaft). Die Ernährung der Städter seit dem 11. Jh. war nur möglich, weil die landwirtschaftliche Produktivität erhöht wurde. Der städtische Markt und die wachsende Bedeutung des Geldes veränderten das Leben der Bauern: Sie wurden zunehmend in die arbeitsteilige Verkehrswirtschaft einbezogen und waren vom Erlös ihrer Pordukte abhängig. Im Hochmittelalter (11. bis 13. Jh.) verdreifachte sich die Bevölkerungszahl in Mitteleuropa. Das führte neben einer Intensivierung der Landwirtschaft zu einer enormen Ausdehnung der Ackerflächen. Zu Beginn des 14. Jh. war die Landwirtschaft nicht mehr in der Lage, die weiterhin wachsende Bevölkerung zu ernähren.

DreifelderwirtschaftDie Ertragssteigerung im Hochmittelalter war vor allem eine Folge der Ausdehnung der Ackerflächen um mehr als 50%. Daneben wirkte die Verbreitung der Dreifelderwirtschaft ertragssteigernd. Denn nun lag im jährlichen Wechsel jeweils nur ein Drittel der Flächen (früher die Hälfte) zur Regeneration brach, während die anderen zwei Drittel mit Sommer- bzw. Wintergetreide bestellt wurden. Eine Intensivierung des Anbaus brachten auch Sonderkulturen wie Wein, Obst oder Gespinstpflanzen (Flachs, Hanf). Ertragssteigernd wirkte sich ferner die Verbesserung der Arbeitsgeräte aus. Der schollenwendende Pflug (Beetpflug), die verbesserte Anspannung (Kummet, Stirnjoch), eiserne Sicheln und Sensen verbreiteten sich.

Außerdem bekamen die Pferde Hufeisen. Jetzt konnten die Tiere vier- bis fünfmal mehr ziehen als früher, wo sie noch mit Stricken um Hals und Brust angespannt waren. Man benutzte jetzt auch mehr Pferde, obwohl Rind und Ochs vom Pferd als Zugtier für die Feldarbeit nicht ganz verdrängt wurden. Ein Pferd geht jedoch, wie moderne Versuche bewiesen haben, bei gleicher Arbeitsleistung um 50% schneller als ein Ochse, und es kann täglich 1 bis 2 Stunden länger arbeiten. Daher spannte man Pferde gern vor den zwei- oder vierrädrigen Wagen, dessen Reisegeschwindigkeit man dank eisenbeschlagener Räder erheblich erhöhen konnte. Entscheidende Fortschritte wurden bei der Verarbeitung des Getreides gemacht. Seit dem 9. Jh. benutzte man zum Dreschen hölzerne Dreschflegel, wie sie bis zur Einführung mechanischer Dreschmaschinen im 19. Jh. üblich blieben. Seit dem 11. Jh. setzte sich rasch das wassergetriebene Mühlrad durch, und im 12. Jh. wurde die Windmühle erfunden, so daß sich in der Folgezeit fast in jedem Dorf eine wind- oder wassergetriebene Mühle befand. Sie arbeitete nicht nur schneller als die bis dahin von Hand oder von Tieren betriebenen Mühlen, sondern mahlte das Getreide auch besser aus.

Die Ernährungssituation war durch die niedrigen Ernteerträge im Mittelalter bestimmt. Das Verhältnis zwischen Aussaat und Ernte entwickelte sich von ca. 1:3 zu 1:5, wobei die unterschiedlichen Getreidesorten, die Bodenqualität und besonders die Witterung zu erheblichen Abweichungen führten. Saatgut und Abgaben abgerechnet verblieb den meisten Bauern kaum die Hälfte der Ernte (Ein Hof von mittlerer Größe mit etwa 16 ha Land erbrachte in einem normalen Jahr ca. 27 dz Roggen und ca. 20 dz Hafer und Gerste. Ein Drittel der Ernte wurde als Saatgut benötigt. Rund 8 dz Hafer dienten als Futtergetreide. Gut 12 dz hatte der Bauer als Kirchenzehnt und Grundzins abzugeben), so daß die häufig witterungsbedingten Mißernten sofort zu Hungerkatastrophen führten; Kriege und Fehden wirkten sich ebenso aus. Neben dem Hauptnahrungsmittel Getreide, das meist als Brei oder Brot zubereitet wurde, gab es Gemüse, Milchprodukte und in geringem Umfang Fleisch.

Das starke Bevölkerungswachstum ließ das Nahrungsangebot zu Beginn des 14. Jh. immer enger werden und führte zu großen Hungerkrisen. Der darauf folgende Bevölkerungsrückgang wurde massiv verstärkt durch die seit 1348 auftretenden Pestwellen. Sie reduzierten die Bevölkerung bis ca. 1450 um ein Drittel. Zahlreiche Felder und Dörfer wurden verlassen; es entstanden Wüstungen. Wälder, Wiesen und Viehwirtschaft nahmen zu. Aufgrund des Bevölkerungsrückgangs sank die Nachfrage nach Getreide so stark, daß die Preise fielen. Gleichzeitig stiegen wegen des Arbeitskräftemangels die Löhne. Kirchliche und weltliche Herren, die von landwirtschaftlichen Ertägen lebten, verzeichneten deshalb z.T. dramatische Einkommensverluste. Die großen Landesherren dagegen verfügten durch Steuern und Zölle von den Städten über ausreichenden Ersatz und konnten so ihre Landesherrschaft ausbauen. Die Lage der Bauern war sehr unterschiedlich: Gerieten sie nicht unter den besonderen Druck ihres durch die Agrardepression getroffenen Herrn, konnten sie durch Landkauf oder Übernahme guter Böden ihre Situation verbessern.


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