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Die Herrscherhäuser im Mittelalter

Das Fränkisch-Karolingische Reich

Die Franken, die aus mehreren Stämmen bestanden, waren ursprünglich Foederaten (Verbündete) der Römer. Nach dem Sieg des Merowingers Chlodwig I. über den römischen Statthalter Syagrius (486), weitete er in mehreren Kriegen sein Machtgebiet um Alemannien (496) und Aquitanien (507) aus. Sein Übertritt zum katholischen Glauben öffnete die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens zwischen den fränkischen Germanen und den bereits katholischen Romanen. Die vier Söhne Chlodwigs vergrößerten das unter sie aufgeteilte Reich um Burgund (532) und um Thüringen (531). Die Reichsteilung in Austrien (Champagne, Reims), Neustrien (Gebiet um Paris) und Burgund schwächte auf Dauer den Reichsgedanken. An der Spitze der Teilreiche stand der jeweilige Führer des Adels, der Hausmeier (Maior domus). Als gegen Ende des 7. Jh. der Karolinger Pippin der Ältere alle drei Hausmeierämter übernahm, hatte er, nicht mehr der merowingische König, die tatsächliche Macht inne. Sein Sohn Karl Martell (714-741) besiegte die arabischen Heere bei Tours/Poitiers (732) und konnte dadurch seine Stellung im Reich festigen. Pippin der Jüngere setzte mit dem Einverständnis des Papstes 751 den letzten merowingischen König ab. Er ließ sich zum neuen König wählen und erhielt die Salbung vom Papst, wofür dieser Land geschenkt bekam (756), die Grundlage des späteren Kirchenstaates (Pippinische Schenkung). Sein Sohn, Karl der Große, fügte dem Fränkischen Reich in langen Kriegen Sachsen (785), Teile des heutigen Ungarns (795) und das Langobardenreich in Oberitalien (774) hinzu. Die Kaiserkrönung Karls des Großen durch Papst Leo III. am Weihnachtstag des Jahres 800 in Rom war das Ergebnis dieser Erfolge.
Durch die Teilungen des karolingischen Reiches 843, 870 und 880 waren das Königreich Italien, Burgund, Lothringen, das westfränkische und das ostfränkische Reich entstanden.

Im ostfränkischen Reich hatten Grafen bei der Abwehr der Ungarn und bei der militärischen Organisation Macht gewonnen. Sie wurden als Herzöge bezeichnet, ohne daß sie vom karolingischen König diesen Titel verliehen bekommen hätten. Die Herzöge von Bayern, Sachsen, Franken und nach 917 auch von Schwaben wählten (911) Konrad I. als ersten Nichtkarolinger zum König. Im Jahr 924 war mit Berengar der letzte karolingische Träger des Kaisertitels gestorben.

Karolinger
687-714         Pippin der Mittlere
714-741         Karl Martell
741-747         Karlmann
741/751-768     Pippin der Jüngere (Kurze)
768-814         Karl der Große
814-840         Ludwig der Fromme
840-843         Karl der Kahle/Ludwig der Deutsche im Bruderkrieg
843-855         Lothar I.
855-875         Ludwig II./Lothar II.
855-869
843-876         Ludwig der Deutsche (Ostfrankreich)
876-882         Ludwig III., der Jüngere
876-887         Karl III., der Dicke
887-899         Arnulf von Kärnten
900-911         Ludwig das Kind
911-918         Konrad I. von Franken

Das Ottonisch-Sächsische Herrscherhaus

Der Begründer des ottonisch-sächsischen Herrscherhauses - Heinrich I. (919-936) - festigte das ostfränkisch-deutsche Reich, indem er die Gewalt der Herzöge anerkannte und nur einen Treueid von ihnen verlangte. 921 wurde er vom Westfrankenkönig Karl als Herrscher anerkannt. 925 kam Lothringen als fünftes Herzogtum zum entstehenden Deutschen Reich, das in den Quellen bis zum 11. Jh. immer noch ostfränkisch genannt wurde.

Otto I., der Große, (936-973) wurde 936 in Aachen (Rückgriff auf Karl den Großen) feierlich zum König und 962 in Rom zum Kaiser gekrönt. Sein Kaisertum wurde auch von Byzanz anerkannt. Während seiner Regierungszeit wurden 955 ("Schlacht auf dem Lechfeld") die von Osten vordringenden Ungarn und Slawen zurückgeschlagen. Zu dieser Zeit setzte auch die Missionierung der zwischen Elbe und Oder sitzenden Slawen ein. Im Westen gewann Otto die Oberhoheit über das auch von Frankreich beanspruchte Lothringen, im Süden über die reichen Gebiete in Oberitalien.

Otto III. (983-1002) stand bis 995 unter Vormundschaft seiner Mutter Theophanu, einer Nichte des oströmischen Kaisers. Er verfolgte den Gedanken einer "Erneuerung des römischen Reiches" mit der Reichsresidenz Rom. Im Osten versuchten er und sein Nachfolger Heinrich II. (1002-1024) Einfluß auf Polen und Ungarn zu gewinnen.

Sächsische
Kaiser
919-936         Heinrich I.
936-973         Otto I., der Große
973-983         Otto II.
983-1002        Otto III.
1002-1024       Heinrich II.

Die Salier

Unter der Herrschaft Konrad II. (1024-1039) wurde im Jahr 1033 das Königreich Burgund, das sich östlich der Rhône bis ans Mittelmeer erstreckte, mit dem deutschen Reich vereinigt. Das Imperium bestand jetzt aus den drei Königreichen Deutschland, Italien und Burgund. In Italien gewannen aber die "lombardischen Städte" (besonders Mailand) größere Selbständigkeit.
Heinrich IV. (1056-1106) folgte als Sechsjähriger seinem Vater Heinrich III. (1039-1056) auf den Thron, die Regierung wurde bis 1065 von seiner Mutter Agnes und den Erzbischöfen von Köln und Bremen übernommen. Seine Regierung ist gekennzeichnet durch den Kampf gegen die Fürsten und den Investiturstreit, der schließlich von seinem Sohn Heinrich V. (1106-1125) beendet wurde.
Salische
Kaiser
1024-1039       Konrad II.
1039-1056       Heinrich der III.
1056-1106       Heinrich IV.
1106-1125       Heinrich V.
1125-1137       Lothar III.

Das Herrscherhaus der Staufer

Nach dem Erlöschen des salischen Herrscherhauses stritten die norddeutschen Welfen (Lothar III., 1125-1137) und die süddeutschen Staufer (Konrad III., 1137-1152) um die Nachfolge. Unter Friedrich I. "Barbarossa" (1152-1190) wurde dieser Kampf zugunsten der Staufer entschieden, nachdem 1180 dem Welfenherzog Heinrich dem Löwen die Herzogtümer Sachsen und Bayern aberkannt worden waren. In Italien geriet Friedrich in langandauernde Auseinandersetzungen mit dem Papst und den lombardischen Städten, denen er eine weitgehende Selbstverwaltung einräumen mußte. Durch die Vermählung seines Sohnes Heinrich VI. mit Konstanze von Sizilien wurden die späteren Staufer in Personalunion (d.h. in einer Person) Könige des deutschen Reiches und des von den Normannen gegründeten Königreichs Sizilien, das auch Unteritalien umfaßte. Friedrich Barbarossa starb 1190 auf dem dritten Kreuzzug.

Friedrich II. (1212-1250) wurde zunächst nur als König von Sizilien anerkannt, da er beim Tod seines Vaters 1190 erst drei Jahre alt war. 1212 konnte er sich mit Hilfe des Papstes in Deutschland durchsetzen, konzentrierte jedoch seine Herrschaft weiterhin auf Sizilien. Hier errichtete er einen modern anmutenden Staat mit zentraler Verwaltung und einer gut ausgebildeten Beamtenschaft. In Deutschland wuchs dagegen die Macht der Fürsten. Unter Friedrich II. kam es in Sizilien durch ein Aufgreifen antiker und arabischer Traditionen zu einer kulturellen Blüte. Friedrich selbst machte sich auch als Dichter und Schriftsteller einen Namen.

Staufer
1138-1190       Konrad III.
1152-1190       Friedrich I. (Barbarossa)
1190-1197       Heinrich VI.
1198-1208       Philipp von Schwaben
1198-1215       Otto VI. (Welfe)
1215-1250       Friedrich II.
1250-1254       Konrad IV.
1252-1268       Konradin (Herzog von Schwaben)

Das Hause Habsburg

Nach dem Ende der staufischen Dynastie kam es im deutschen Reich von 1256-1273 zu einer kaiserlosen Zeit (Interregnum), an deren Ende Rudolf von Habsburg (1273-1291), ein Landesherr aus Südwestdeutschland, von den Fürsten zum König gewählt wurde. Die Macht der Könige und Kaiser gegenüber den Fürsten erreichte aber nie wieder das Ausmaß, das sie im 10.-12. Jahrhundert gehabt hatte.
Habsburger
1273-1291       Rudolf I. von Habsburg
1298-1308       Albrecht I. von Habsburg
1438-1439       Albrecht II. von Östereich
1440-1493       Friedrich III.
1493-1519       Maximilian I.
1519-1556       Karl V.
1556-1564       Ferdinand I.
1564-1576       Maximilian II.
1576-1612       Rudolf II.
1612-1619       Matthias
1619-1637       Ferdinand II.
1637-1657       Ferdinand III.
1658-1705       Leopold I.
1705-1711       Joseph I.
1711-1740       Karl VI.
Interregnum
1247-1256       Wilhelm von Holland
1257-1282       Alfons X. von Kastilien
1257-1272       Richard von Cornwall
Deutsches
Wahlkönigtum
1273-1291       Rudolf I. von Habsburg
1291-1298       Adolf von Nassau
1298-1308       Albrecht I. von Habsburg
1308-1313       Heinrich VII. von Luxemburg
1314-1347       Ludwig der Bayer
1346-1378       Karl IV. von Luxemburg
1378-1400       Wenzel der Faule
1400-1410       Ruprecht von der Pfalz
1410-1437       Sigismund von Luxemburg

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